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20 Zurück zum Rio de la Plata

19.04.-13.05.2016

Auch nach 5 Tagen ist der Pass nach Argentinien immer noch geschlossen, 650 Lastwagen warten auf der anderen Seite und hier in Chile sicher nicht weniger. Ab Dienstag verspricht der Wetterbericht Sonne und tatsächlich am Mittag wird der Pass geöffnet, mit Ketten-Mitführpflicht, aber das sehen sie hier nicht so eng!

 





Am Mittwoch hat dann das Chaos nach der Öffnung etwas nachgelassen. Die Lastwagen kriechen in beiden Richtungen über die berühmten 29 Haarnadelkurven, und wir mittendrin. Der Regen hat viele Steine auf die Fahrbahn gespült und manchmal herrscht Einbahnverkehr. Auf der Passhöhe von 3185m wurde gepflügt, am Rand liegen etwa 10-15cm Schnee, aber die Straße ist überwiegend trocken.


















Nach knapp 4 km durch den Tunnel schnappen wir nach frischer Luft. Wir haben’s geschafft!





















Der Aconcagua hüllt sich in Wolken, aber an der Puente del Inca scheint die Sonne. Wir machen uns auf eine langwierige Grenzabfertigung gefasst, doch nach einer halben Stunde ist alles erledigt, sogar ohne Lebensmittelkontrolle.

















 





Vor Uspallata fahren wir an einer kilometerlangen Lastwagenschlange vorbei, alle warten auf die Abfertigung.

 








Unter herbstfarbenen Pappeln übernachten wir auf dem Camping Municipal mit Blick auf die schneebedeckten Anden.




Wir fahren südlich an Mendoza vorbei auf die Autobahn nach San Luis, da hören wir ein Geräusch als ob ein Nagel im Reifen steckt. Auch nach mehrfacher Kontrolle finden wir nichts, doch Halt, was ist das? Eine Radmutter ist nicht ganz angezogen und beim Nachziehen dreht sie durch! Und eine zweite ebenfalls! So können wir nicht weiterfahren!
Einige 100m vor uns stehen Polizeiautos und nehmen einen Unfall auf, ein Pickup hat sich überschlagen. Langsam fahren wir dorthin und bitten um Hilfe. Der Herr vom Autobahndienst begreift schnell und meint der Abschleppdienst hole zuerst den verunfallten Pickup und dann uns. Wir warten Stunde um Stunde. Neben uns rauschen die argentinischen und brasilianischen Lastwagen vorbei, diese Autobahn ist die Hauptroute nach Chile. Als es dunkel wird, sind wir sehr froh, dass der Wagen des Autobahndienstes mit seinen Blinklichtern hinter uns steht! Endlich sind wir dran, schnell ist der Toyota aufgeladen und der junge Mann fährt uns 25km weit zu einer Werkstatt „con un bueno mechanico“. Dort erwarten sie uns schon. Im Schein von Autoscheinwerfern wird das Rad demontiert und der Schaden begutachtet: alle Radschrauben sind mehr oder weniger locker und ausgeschlagen! Die „Ripio“-Straßen lassen grüßen! Der Chefe will am nächsten Tag sowieso nach Mendoza und will sehen was sich machen lässt.

Wir dürfen auf dem Hof übernachten, im Schein der Taschenlampe werden wir in die WC-Benutzung mit Wassereimern eingewiesen und bekommen Strom. Die LKW-Werkstatt ist ein Familienbetrieb: der sympathische 50.-jährige Chef mit seinen 10 Söhnen. Der Älteste führt uns über das Areal: stolz zeigt er einen alten DKW, einen 2-Takter mit 3 Zylindern und im Schweinestall aus Paletten sind gestern 5 Ferkel geboren worden. 



Am Nachmittag holt er uns noch leckere Trauben von ihrem Weinberg. Aber bei unserem Rad tut sich an diesem Tag nichts, wir erfahren nur, dass alles gut wird...








Samstagmorgen, müssen wir vielleicht doch das ganze Wochenende hier warten? Gegen 10 Uhr erscheint der Chef und präsentiert uns stolz die reparierte Radhalterung. Zur Sicherheit werden die Schrauben noch verschweißt. Sorgfältig montiert er die Teile und gegen Mittag sind wir reisefertig. Zum Abschied schenkt er uns noch 4 Flaschen Wein, Mandeln und getrocknete Pflaumen, alles aus der Region.
Bei der Weiterfahrt merken wir, wir hatten Glück im Unglück: weiter östlich gibt’s kaum noch Dörfer, nur noch Pampa bis San Luis.









In den nächsten Tagen folgen wir der Route vom vergangenen Jahr. Nebel mit 20m Sicht empfängt uns beim Aufstieg über die Sierra Grande westlich von Cordoba. Am Pass auf 2200m Höhe herrscht dichtes Schneetreiben. Auch hier schlägt der Winter dieses Jahr sehr früh zu. Östlich von Cordoba versinken die Felder und Seitenwege im Wasser: es muss sehr viel geregnet haben.

Die Brücke über den Rio Secondo ist wegen Überflutung gesperrt und wir müssen 120km Umweg fahren. Auch in Nuevo Berlin steht der Rio Uruguay 3m höher als letztes Jahr, Straßen stehen unter Wasser.



















 Beim Denkmal für 
General Artigas,
dem uruguayanischen Nationalheld











In Nuevo Berlin
am Rio Uruguay,
hier stand gestern
noch das Wasser






















                        Wann kommt wohl hier der nächste Zug?




Eine Woche vor unserem geplanten Heimflug erreichen wir Nueva Helvecia und campieren beim Hotel Suizo. Hier wollen wir das Auto auf „den Winterschlaf“ vorbereiten und die Koffer packen. Inzwischen scheint wieder häufiger die Sonne, aber es ist windig und alle beklagen den frühen Wintereinbruch.



Am 12.Mai fliegen wir von Montevideo nach Hause, der Rückflug ist für den 30.August geplant...