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22 Durch die Berge Perus

22.10.-17.11.2016
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Fit für die Berge Perus?!














  

Leckerer Schweinebraten vom Grill
mit Katoffeln und Salat








Zum Abschied zeigt sich La Paz nochmal von seiner schönsten Seite

Wir verlassen La Paz in Richtung Titicaca-See. Aber schon in El Alto werden wir von Erdhaufen auf der Straße gestoppt. Wie weiter, Umleitungsschilder gibt es nicht! Das Colectivo fährt uns voraus, kreuz und quer durch die Außenbezirke der Millionenstadt, anfangs auf Asphalt, dann nur noch über Dreckstraßen mit tiefen Löchern. Nach 1 Stunde dürfen wir wieder die nun 4-spurige Straße benutzen!



Heute ist Sonntag und es begegnen uns viele frisch gesegnete und mit Blumen geschmückte Autos aus Copacabana. An der Seeenge in San Pedro de Tiquina müssen die Autos mit Holzbooten auf die Copacabana-Halbinsel übersetzten. Wir finden einen Platz auf einem stabilen Boot hinter einem Bus.



 Die Aussichtspunkte sind leider immer vermüllt


Die weitere Straße führt meist über den Berggrat und gestattet herrliche Ausblicke nach beiden Seiten auf den tiefblauen See.













Alpaka


Die Einfahrt ins Hostal in Copacabana ist für uns zu niedrig, aber wir können direkt davor am Seeufer stehen, mit Strom und schnellem Internet.

Am letzten Tag unserer erlaubten 30-Tage verlassen wir Bolivien und wechseln ins Nachbarland Peru. In Puno können wir auf dem Parkplatz eines Restaurant Campestre, einem Landgasthof, trotz einer Promotions-Feier mit vielen Gästen übernachten. Bei einer Trucha a la Plancha, wörtlich einer Forelle a la Bügeleisen, beobachten wir das Treiben.


Am Pass vor Cusco auf über 4000m regnet’s bei Temperaturen um 5°C, so machen selbst heiße Quellen keinen Spaß, wir streichen die geplante Übernachtung und fahren weiter. Mit dem letzten Tageslicht erreichen wir dann glücklich den gut gefüllten Campingplatz in Cusco. Beim Stadtrundgang mischen wir uns unter die vielen Touristen, besuchen das interessante Museo de Arte Precolumbino und kehren nach dem Einkaufen mit dem Taxi zum Auto zurück.

 

















  
 Spezielles Gebäck zu Allerheiligen



In den nächsten Tagen wird unser Toyota so richtig gefordert: immer wieder steigt die Straße nach Ayacucho auf über 4000m um dann im nächsten Tal auf unter 2000m zu fallen. Wir fahren langsam, zum Teil im 1.Gang, aber die Straße ist neu und sehr gut ausgebaut. Manchmal geht es an schwindelerregenden Abgründen entlang und ich darf nicht nach rechts oder links schauen. Erst nach einem Stop kann ich die eindrucksvolle Landschaft genießen.


Die frischgepflügten, braunen Felder, oft fast überhängend, warten auf Regen und werden dann mit Kartoffeln oder Bohnen bepflanzt.




















Unsere erste Puya Raimondi







Stachelige Wüstenpflanze










Plaza de Armas in Ayacucho


























Die beliebten Motortaxis umschwirren uns
wie lästige Fliegen




Die Fahrt zum Plaza de Armas, dem Hauptplatz in Ayacucho, war keine gute Idee! Die schmalen Gässchen aus der Kolonialzeit ersticken im Verkehr mit seinen Abgasen und ich komme mit unserem Auto nur knapp um die Ecken. Das anvisierte Tourist-Office existiert nicht mehr und die Dame in der städtische Informationsstelle gibt uns den vagen Tipp im Vorort Muyurina nach einem Übernachtungsplatz zu suchen.
Mit Mühe finden wir die richtige Ausfahrt nach Muyurina. Der Ort besitzt viele Restaurant Campestre mit Platz für festliche Anlässe im Freien. Beim „Pura Vida“ dürfen wir auf einer großen Wiese übernachten. Am nächsten Tag fahren wir mit dem Colectivo zurück nach Ayacucho. Entspannt spazieren wir durch die Straßen und genießen das koloniale Ambiente.


Nach Huancayo führen zwei Straßen, die eine über die Berge, die andere durch das Tal des Rio Mantaro. Vom Chef des Restaurants wird uns die Talvariante empfohlen, schmal, aber fast alles geteert. Das anfangs breite Tal wird zusehends schmaler und die Straße ist immer öfter nur einspurig. Sicher ist hier nur PKW-Verkehr erlaubt! Kaum gedacht, kommt uns ein riesiger Sattelschlepper entgegen, dem wir nur knapp ausweichen können.







Langsam schraubt sich die Fahrbahn an den senkrechten Felswänden empor, mit vielen Kurven und einspurig. Wo soll man hier ausweichen und bei einem entgegenkommenden LKW bin ich derjenige der zurückfahren muss! Noch 70km bis zum Ende der Schlucht! Die heiklen Stellen werden zwar von „normaler“ Straße unterbrochen, aber wir wissen nicht was noch kommt. Nach 5 Stunden lässt die Konzentration nach und wir beschließen im Tal zu übernachten, finden auch einen guten Platz, und können entspannen.
Die letzten Kilometer am nächsten Morgen sind dann nur noch halb so wild und gegen Mittag erreichen wir Huancayo. Ein Hotel für uns ist schnell gefunden, ein Platz für’s Auto erst nach langer Suche.
 









Tagwacht am nächsten Morgen um 4:30 Uhr, um 5:30 setzt uns das Taxi am Bahnhof ab und um 6:30 besteigen wir den Zug nach Huancavelica.





































Er hat die beste Aussicht

Die Schmalspurstrecke wurde 1926 erbaut um die Minen zu versorgen. In den letzten Jahren wurde die Strecke erneuert und heute fährt der Zug an einem Tag hin, am anderen zurück. Für 13 Soles, das sind 4€, dürfen wir nun 6 Stunden Zug fahren. In unserem Buffet-Wagen sitzen vor allem einheimische Touristen, die vielen Indios benutzen die billigere 1. und 2. Klasse. Von 3200m geht es zunächst hinunter ins Tal des Rio Mantaro auf 2800m um dann bis Huancavelica auf 3680m zu steigen. Viele Halteorte sind mit dem Auto nur schwer oder überhaupt nicht zu erreichen. Im Seitental des Rio Mantaro durch das sich die Diesellok hinaufquält, sehen wir viele Mais- und Kartoffelfelder.
Eine neue Einnahmequelle scheint die Forellenzucht zu sein, überall entstehen neue Wasserbecken.

In Huancavelica machen wir einen Rundgang duch’s Städtchen, übernachten in einer sehr einfachen Herberge und stehen am nächsten Morgen um 6 Uhr wieder am Bahnhof für die Rückfahrt.












Wohlbehalten holen wir unser Auto im Cochera, dem bewachten Parkplatz, ab und fahren die kurze Strecke nach Santa Rosa de Ocopa. Im Park vor dem größten Franziskanerkloster Perus dürfen wir übernachten. Bei der Besichtigung am nächsten Tag beeindrucken uns besonders die farbenfrohen Wand- und Deckenmalereien im ehemaligen Esssaal und die Bibliothek mit ihren 20000 Bänden, darunter einer deutschen Bibel aus dem Jahr 1564.




Wieder müssen wir auf fast 4200m klettern um nach Tarma auf 3000m zu kommen. Hier finden wir in der Hacienda La Florida einen schönen Platz für die nächsten 2 Tage. Pepe und Inge, seine deutsche Frau, bewirtschaften 40ha Land, vor allem mit Artischocken, Andenbeeren und Granatäpfeln.

 























Die Artischocken werden nach Größe sortiert und in Säcke zum Transport nach Lima gepackt









































Lange überlegen wir ob wir via Lima oder Huánuco nach Huaráz fahren sollen: die eine Route führt uns auf asphaltierten Straßen hinunter auf Meeresniveau durch die 7-Millionenstadt, die andere auf schlechten Wegen und über mehrere Pässe von mehr als 4000m. Die 2. Varinte macht schließlich das Rennen und bis Huánuco genießen wir noch die gute Asphaltstraße. Aber danach wird es schlagartig schlechter, zwar war die Straße irgendwann mal geteert, jetzt besteht sie vor allem aus Löchern und Steinen. Wir kriechen von 1850m zumeist im 1. Gang in vielen Stunden auf 4000m um dann oft einspurig an Abgründen entlang wieder auf 3000m hinunterzufahren. Wäre die Straße nicht so schlecht, könnte ich die herrlichen Ausblicke besser genießen!














































Ab dem Örtchen La Union wird die Straße dann besser und entspannt fahren wir zur Abra Yanashalla auf 4720m hinauf. Dort folgen wir dem Wegweiser nach Huaráz und eine Tafel begrüßt uns im Nationalpark Huascarán und wünscht uns Feliz Viaje - Gute Fahrt. Schmal und löchrig geht es weiter und nach 3km erreichen wir mit 4890m unsere bisherige Höchstmarke. Der Ausblick ist unbeschreiblich: im Norden die vergletscherten Gipfel der Cordillera Blanca mit dem höchsten Berg Perus, dem Huascarán, im Süden die etwas niedrigeren Schneeberge der Cordillera Huayhuash.






Langsam, meist im Schritttempo, hoppeln wir talwärts durch die imposanten Schlaglöcher. Kritisch wird es, wenn wir kleine Bäche queren müssen deren Geschiebe den Weg schräg werden ließ, hoffentlich kippen wir nicht um! Nach 22km und Stunden erreichen wir dann glücklich den Abzweig zum Touristenziel Pastoruri-Gletscher mit deutlich besserer Straße.
Später sprechen wir einen Ranger auf den miesen Straßenzustand an, seine Antwort: Esta ruta está abandonada - diese Route ist aufgegeben!





Für den Besuch des Gletschers ist es zu spät, so fahren wir zu den Puya Raimondi. Diese einmaligen Pflanzen wachsen nur in Höhen über 4000m, blühen nach 50-100 Jahren einmal und sterben dann ab. Wir genießen die Abendstimmung bei den bis zu 12m hohen Blütenständen, die von vielen Kolibris besucht werden. Kalt wird die Nacht auf 4300m, draußen -6°C, im Auto +12°C, aber die Schlafsäcke halten uns warm.















Vor allen Touristenbussen erreichen wir am nächsten Morgen den Pastoruri-Gletscher. Auf dem schön angelegten Rundweg kommen wir auf über 5000m Höhe erst am Schluss zum eindrucksvollen Gletscherabbruch. Die Klimaerwärmung hat auch hier das Eis massiv geschmolzen und die Lagune mit den vielen kleinen Eisbergen stark wachsen lassen.













Nach den vielen Eindrücken und Strapazen der letzten Woche genießen wir einige ruhige Tage in Huaráz, dem Trecking- und Bergsteiger-Mekka Perus. Von unserem Platz neben dem Hotel haben wir einen grandiosen Blick auf den 6700m hohen Huascarán und die Reklametafeln...






Neben der Ruhe kommt auch das Wandern nicht zu kurz: wir buchen eine Tour zur Laguna 69. Morgens um viertel vor 6 Uhr holt uns der Minibus vor dem Hotel ab und in knapp 3 Stunden werden wir über eine holprige und staubige Piste zur Laguna Orconcocha in 3800m Höhe gefahren. Weitere Busse mit an die 100 Touristen treffen ein und gegen 9 Uhr starten wir im Pulk.









Nach sanftem Anstieg kriechen wir im Zigzag zu einer kleinen Lagune hinauf. Aber das war noch nicht alles, weitere gute 100 Höhenmeter sind zu bewältigen. Bei uns macht sich die dünnere Luft auf 4500m bemerkbar, nach jeweils 100m müssen wir pausieren. Herrlich ist der Ausblick nach Süden auf die höchsten Berge Perus vor dem tiefblauen Himmel, das Wetter könnte nicht besser sein.

 

















Endlich nach gut 3 Stunden wird der Weg flacher und der Blick auf den türkisfarbenen See belohnt die Anstrengungen. Dreiviertel ist von Gletschern und Schneebergen um die 6000m umgeben. Einige junge Leute demonstrieren Härte mit einem Sprung in das eiskalte Wasser.
Nach dem Picknick wartet der Rückweg, immer mit dem Blick auf die vergletscherten Gipfel des Huascarán. Mit schweren Beinen erreichen wir unseren Bus, der uns nach über 12 Stunden wieder am Hotel abliefert: ein anstrengender, aber sehr schöner Tagesausflug!

  

Durch die Berge Perus.pdf