09.12.2016 - 10.01.2017
Die Angst vor dem Grenzübergang nach Ecuador, nach dem Reiseführer sei er der schlimmste in Südamerika, ist unbegründet. Es gibt eine neue 4-spurige Umfahrung des Grenzstädtchens
und neue Abfertigungsgebäude. Schnell haben wir Ausreise- und Einreisestempel im Pass, aber die Autoabfertigung dauert: wir müssen die Fahrzeugpapiere in einen Briefkastenschlitz schieben, die Person dahinter ist
wegen der geschwärzten Scheibe unsichtbar, und warten. Schließlich nach 2 Stunden können wir ins neue Land starten.
Unser Vorurteil, Ecuador = Bananenrepublik, bestätigt sich: Bananenplantagen rechts und links, dazwischen Kakaofelder. Langsam schraubt sich die Straße in die Höhe, das Tal
wird enger, die Straße schlechter, Steinschläge haben große Löcher im Asphalt hinterlassen. Auf 2000m Höhe erreichen wir ein breites, grünes Tal mit hübschen Häusern und angenehmen
Temperaturen.
Jetzt ist es nicht mehr weit nach Cuenca, das mit Quito um die schönste koloniale Altstadt wetteifert. In einer halben Stunde laufen wir vom Campingplatz ins Zentrum und lassen das spanische Erbe auf uns wirken.
Moderne Krippenfiguren
Blumenmarkt

In einer Manufaktur sehen wir die Herstellung der berühmten Panama-Hüte, ja die kommen nämlich von hier und haben nur den falschen Namen. Die einfachsten erhält man für ca. US$ 30, die teuersten kosten ein Vermögen, ab US$ 5000. Diese sind dann aus ganz feinem Stroh und beschäftigen eine Arbeiterin bis zu einem halben Jahr.
Ingapirca, die berühmtesten Inkaruinen von Ecuador, sind unser nächstes Ziel. Von der Größe her können sie nicht mit den Ruinen in Peru mithalten, aber die Lage an einem Berghang mit Blick übers Land ist wunderschön.
La cabeza del Inca, der Incakopf
Die Straße nach Alausi führt durch dichten Nebel, der berühmte Nebelwald macht seinem Namen alle Ehre, und wir tasten uns im Schritttempo vorwärts. An der Laguna de Colta vor Riobamba auf 3300m regnet es Bindfäden und wir sind bei 8 Grad Außentemperatur froh um unser gut isoliertes Auto. Am nächsten Morgen reißt der Himmel auf und der Chimborazo, mit 6310m der höchste Berg Ecuadors, zeigt sich wolkenlos.
Eine der ältesten Kirchen Ecuadors von 1534
Baños liegt auf einer Terrasse in 1800m Höhe über dem tiefen Tal des Rio Pastaza, umgeben von steilen Felsen mit vielen Wasserfällen. Nur 10km entfernt erhebt sich
einer der aktivsten Vulkane der Erde, der Tungurahua mit 5016m. Etwa alle 5 Jahre wird die Bevölkerung wegen drohender Eruptionen evakuiert, aber im Moment ist er ruhig und hüllt sich in Wolken. Nur die vielen Thermen
erinnern an die hier dünne Erdkruste. Im Städtchen treffen wir auf viele Rucksackreisende, die durch die diversen Abenteueraktivitäten wie Bridge Jumping, Mountain Biking, River Rafting oder Canyoning angelockt
werden.
Durch das imposante Tal des Rio Pastaza mit vielen eindrucksvollen Wasserfällen fahren wir hinunter auf 400m über Meer.
Am Rio Napo, einem Amazonasnebenfluss, übernachten wir in einer schönen, von einer lokalen Frauencooperative geführten, Lodge. Lange sitzen wir abends neben dem Auto, lauschen
den Geräuschen des Dschungels und bestaunen den Sternenhimmel, nur wenige Moskitos leisten uns Gesellschaft.



Bei einem Spaziergang durch die Reserva Jatun Sacha nehmen wir aber einen anderen Plagegeist mit ins Auto. 2 Wochen lang quält er uns mit juckenden Stichen bis wir das Tierchen endlich erlegt haben!

Aber kein
Brillenbär
zeigt sich
Unser nächstes Ziel ist Quito. Bei Arie, einem Holländer, finden wir einen schönen Platz und können mit dem Bus in die Stadt fahren. Das koloniale Zentrum ist sehr schön, warum sich aber so viele Autos durch die engen Gassen quälen, meistens stehen sie und verpesten die Luft, ist uns ein Rätsel.
Für den nächsten Tag planen wir den Besuch im berühmtesten archäologischen Museum Ecuadors, aber am Eingang hängt ein handgeschriebener Zettel: „No hay servicio“. Erst auf Nachfrage können wir es glauben, es ist bis Mitte Februar geschlossen!
Über Kopfsteinpflaster rumpeln wir dem Nordeingang des bekanntesten Nationalparks, dem Parque National Cotopaxi, zu. Die Äcker bleiben zurück und auf 3600m umgibt uns eine komplett andere Vegetation, der Páramo. Er besteht aus niedrigem Buschwerk und Polsterpflanzen und erstreckt sich nur um den Äquator zwischen 3500 und 4500m.
Wir übernachten vor dem Parkeingang, kein Licht ist zu sehen, es regnet und unsere Campingbatterie hat einen Defekt und ist leer. Also essen wir bei Kerzenschein und denken an die Lieben Daheim, es ist Heilig Abend!
Bei der Laguna Quilotoa, einem Kratersee auf fast 4000m, haben wir mehr Glück: nach einer regnerischen Nacht steigen wir bei herrlichem Sonnenschein zum Kraterrand hinauf und blicken auf den grünen See 400m tiefer.

Leckere Maiskolben


Hühnermist gefällig?
Kurz vor Cayambe erreichen wir den Äquator. Eine Denkmal mit Sonnenuhr zeigt die Richtungen des Sonnenaufgangs beim Wechsel der Jahreszeiten.
Auf dem Markt in Otavalo
Bei der Finca Sommerwind in Ibarra treffen wir mal wieder auf andere Reisende, genießen den Gedankenaustausch und das gemeinsame Essen am runden Geburtstag.
Eitler Vogel -
betrachtet sich im Rückspiegel
Nach 1 Woche fahren wir weiter nordwärts. Steil geht es hinunter zur Gruta de la Paz, einem Wallfahrtsort. Der Fluss hat sich einen Weg durch den Fels gefressen und rauscht durch die Höhlenkirche.
Bevor wir die Grenze nach Kolumbien überqueren besuchen wir noch den Friedhof in Tulcán. Vor 80 Jahren hat Sr. José Franco angefangen aus den Zypressen Figuren zu formen.
Inzwischen ist er selbst hier begraben und sein Sohn führt die Tradition fort.












































