Anleitung


Die Berichte selbst sind zusätzlich als PDF-Dateien abgelegt. Drückt auf den Dateinamen unter dem Bericht, dann öffnet sich eine Vorschau mit schlechter Auflösung. (Allerdings müsst Ihr dazu bei Google angemeldet sein. Ich habe leider keinen Weg ohne Anmeldung gefunden!)
Um den PDF-File in guter Qualität zu erhalten, müsst Ihr die Datei noch herunterladen.

08 Pantanal

                                                                                   1.10.-18.10.2014

Schon in São Paulo hatte uns der Mechaniker auf den schlechten Zustand unserer Stoßdämpfer hingewiesen, aber dort fanden wir keinen passenden Ersatz. Nun hat sich die Befestigung vorne links gelöst und wir brauchen dringend Neue. Wir versuchen unser Glück bei Toyotoshi in Asunción: tatsächlich haben sie die Originalstoßdämpfer von Toyota am Lager und ein Mechaniker ums Eck baut sie uns umgehend ein.
Inzwischen ist das Thermometer auf 30ºC gestiegen und so suchen wir uns einen schattigen Übernachtungsplatz auf dem Camping im Botanischen Garten. Die WCs warten zwar schon lange auf eine Putzequipe, aber dafür können wir uns unter der Wasserfall-Dusche herrlich abkühlen. Und wir haben Strom und alles ist gratis. Nachts werden wir mal von der Polizei, mal von den Putzfrauen bewacht.
Lange warten wir auf den Bus ins Zentrum. Nach der halben Strecke ist Endstation! Alle müssen aussteigen, ein Warndreieck wird aufgestellt, wir erhalten unser Geld zurück. Während wir auf den nächsten Bus warten, fährt der Alte weiter!?




Vom Palacio de Gobierno haben wir einen schönen Blick über den Rio Paraguay. Alles ist abgesperrt und überall stehen schwerbewaffnete Polizisten. Ist etwas passiert? Nein, das ist ganz normal! Krass sind die Gegensätze um die Regierungsgebäude: kaum 20m vom Eingang stehen Bretterhütten mit Plastikdächern. Der Strom für die Fernseher, oft mit Satellitenschüssel, wird von der nächsten Laterne abgezapft.


 

 




Wie in Ciudad del Este hat es auch hier viele Elektronikläden für die Besucher aus Brasilien und Argentinien, wo Computer und Handys viel teurer sind. Auch wir kaufen einen neuen PC, weil bei unserem Gerät die Bildschirmanzeige spinnt, vermutlich ist das Kabel wegen des häufigen Aufundzuklappens defekt.





Wir verlassen Asunción und fahren zunächst durch Weideland, später Soyafelder nach Norden. Wir finden ein luftiges Übernachtungsplätzchen und erleben einen herrlichen Sonnenuntergang. Um 5h morgens hält neben uns ein Auto, keiner steigt aus, was ist los? Schweigend machen wir uns abfahrbereit. Jetzt will uns der Fahrer, er bewache die Gegend, nicht weglassen, gleich komme die Polizei, hier sei es sehr gefährlich! Die Polizisten kontrollieren alle Papiere und schreiben einen halben Roman. Nach unserer Unterschrift wünschen sie uns gute Reise.
Bei der Weiterfahrt gibt es immer wieder Polizeikontrollen, haben wir eventuell in einem Schmugglergebiet übernachtet?

Im Nationalpark Cerro Corá wird mit Denkmälern des Todes der Führer Paraguays am Ende des desaströsen Krieges gegen Brasilien, Argentinien und Uruguay im Jahr 1870 gedacht. Während des Krieges kam fast die Hälfte der Bevölkerung Paraguays ums Leben. Das Campieren im Park ist zwar gratis, aber es hat nur Strom, kein Wasser, keine Toiletten und es ist sehr heiß. Der Schweiß fließt in Strömen beim Grillen unserer Rinderkoteletts, aber es hat sich gelohnt, sie schmeckten herrlich!
Nach nur 40km an der Grenze stehen riesige Einkaufszentren für die zahlungskräftigen Brasilianer. Wir investieren unsere letzten Guaranis in deutsches Müsli und chilenischen Wein.

Nach einer ruhigen Nacht an der Tankstelle fahren wir weiter nordwärts, aber nach nur 10km fangen wir uns einen Platten ein. Margrit holt per Anhalter einen Reifenflicker, ich versuche den Ersatzreifen zu demontieren. Nach 1h hat João mit seinem Team den Reifen geflickt und wir können weiter.






Endlose Felder rechts und links, dazwischen Weideland. Landwirtschaft ist die wichtigste Erwerbsquelle in Mato Grosso do Sul. 















Westlich von Jardim übernachten wir auf einem hübschen Campingplatz am kristallklaren Rio da Prata. Bei gut 35ºC im Schatten schwimmen wir mit den Fischen im 25ºC warmen Wasser. Und es wird immer noch heißer!



In Bonito, 50km weiter, wird die 40ºC-Marke überschritten. Beim Camping hat es den klaren Rio Formoso, in dem wir uns täglich mehrere Male abkühlen. Trotz der Wärme und des Neoprenanzugs frieren wir nach der 1800m-Schnorcheltour im Rio Sucurí, aber das geht schnell vorbei!

Neben unserem Platz steht ein Baum mit leckeren schwarzen Beeren, die nicht nur uns, sondern auch den Aras schmecken!
 

















Mit dem Riesenbecken neben dem Auto lassen sich auch 43ºC aushalten, aber zum Schlafen brauchen wir den Ventilator.


 








 




In der Trockenzeit kann man durch den „Fluß“ fahren


Den Campingplatz in Miranda suchen wir vergeblich, also fahren wir weiter auf der Estrada do Parque ins Pantanal. Die Lastwagen mit dem neuen Straßenbelag überholen uns und überschütten uns mit Staub. Erst kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir die Fazenda Santa Clara. Über 20€ verlangen sie für Dusche und Strom. Die Hitze und der Staub machen uns zu schaffen und so fahren wir am nächsten Tag zurück zur Teerstraße und Corumbá zu.












 
5-köpfige Tuiuiú-Familie

Kurz hinter der Brücke über den Rio Paraguay gibt es einen lauten Knall und wir bleiben mit zerfetztem Hinterreifen stehen - ein Opfer der Hitze! Dank Markise können wir wenigstens im Schatten arbeiten, doch unser Wagenheber ist zu kurz! Keiner nimmt Margrit in die nächste Borracheria mit, erst die Polizisten halten. Sie stoppen einen LKW und der Fahrer hilft uns mit seinem Wagenheber den Reifen zu wechseln. Im 50km-Tempo kommen wir dann glücklich in Corumbá an und gönnen uns eine Hotelnacht.


Am nächsten Morgen fahren wir die 5km nach Bolivien, dort sollen auch Reifen günstiger sein. Alles sieht etwas chaotisch aus, aber wir finden einen Händler und entschließen uns alle 5 Reifen zu wechseln. Roberto zeigt uns diverse Marken, er scheint mit seinen 17 Jahren der Kompetenteste zu sein.


Wir nehmen für hinten Michelin mit grobem Profil, für vorne normale Pirelli. Nach 3h und um viele Dollar ärmer fahren wir für eine letzte Nacht zurück in unser Hotel.

Wie lange warten wir wohl an der Grenze? Die Ausreise ist nach 1h erledigt, doch die Einreise nach Bolivien kostet Nerven. Am Container-Zollhäuschen hängt ein Zettel: sind Mittagessen, in ½h zurück. Wir holen Bolivanos und Dollar am Automat, heute funktioniert das Internet wieder. Und ein zweiter Wagenheber wird gekauft. Am Zoll geht immer noch nichts. Nach einer weiteren Stunde in voller Mittagshitze kommt Leben in den klimatisierten Container: nein, sie seien nur für das Auto zuständig, die Pässe müssten wir schräg gegenüber abstempeln lassen. Tatsächlich nach heftigem Klopfen öffnet sich die Tür, wir haben den Herrn wohl beim Essen gestört. Alles wird im Computer - gesponsert von der EU - gespeichert. Zurück am Container, wir stehen draußen ohne Schatten, müssen wir Pass und Autopapiere im Laden gegenüber kopieren lassen. Am Auto wird die Chassisnummer kontrolliert und uns erklärt, dass wir keinerlei Lebensmittel mitnehmen dürfen. Gut, dass wir Bier, Mortadella und Käse versteckt haben! Zum Schluss will das Formular noch wissen wieviel Gepäckstücke wir dabei haben, na ganz einfach: 3 Stück...

 

Nach soviel Hitze und Bürokratie checken wir im 4* El Pantanal Resort ein. Das Ambiente ist stilvoll, aber 4 Sterne dann doch etwas zuviel. Es ist Samstag und biertrinkende Brasilianer zwischen 25 und 40 belagern den Pool bei ohrenbetäubender Musik. Am Abend geht es ruhiger zu, im Restaurant lassen wir uns ein schönes Stück Rind schmecken und dürfen ein bolivianisches Hochzeitsessen miterleben, dazu spielt eine Mariachi-Gruppe rassige mexikanische Musik, herrlich!


Pantanal.pdf

07 Paraguay

                                                                                                                       27.08.-30.09.2014

Schön waren die fast 3 Monat im Schwarzwald mit den langen Abenden! Aber nun freuen wir uns auf ein neues Kapitel unserer Südamerikareise.
Nach einem langen Flug kommen wir am 28.August in São Paulo an und werden herzlich empfangen. Unsrem Auto geht’s gut, doch vor der Weiterfahrt erhält es noch die neue, mitgebrachte Viskokupplung und frisches Öl.

Nach dem Werkstattbesuch sind wir startklar!












Feijoada, das brasilianische Nationalgericht

Unser erstes Ziel ist der Campingplatz in Itanhaém am Meer. Kahl sind die vielen schattenspendenden Bäume. Doch die neuen Blätter sprießen schon, der Frühling kommt! Bei Luft- und Wassertemperaturen um 23C genießen wir wieder das Leben im Freien. Wir machen Frühlingsputz im Camper und versuchen die mitgebrachten Ersatzteile und Süßigkeiten unterzubringen.

Nach einigen Tagen sagen wir dem Atlantik adieu und fahren landeinwärts durch Bananenplantagen. Am Straßenrand werden Früchte und Vitaminas, das sind frische mit Milch gemixte Säfte, angeboten. 













An der Autobahn übernachten wir wieder ohne Probleme zwischen den riesigen Lastwagen.


















Wir fahren westwärts über Curitiba Richtung Argentinien. Herrlich sind die Ipê-amarelo-Bäume, eine gelbe Blütenpracht ohne ein einziges grünes Blatt!




Argentinien empfängt uns mit hochsommerlichen Temperaturen. Unser gut isoliertes Auto heizt sich zwar nur langsam auf, aber hält die Wärme auch entsprechend lange. Mit der Dunkelheit gegen 18Uhr kommen die Mücken und verbieten das Lüften. So sitzen wir dann meist neben dem Auto und klettern erst zum Schlafen in die Backstube.




Nach 3 Tagen verabschiedet sich die Hitzewelle mit Blitz und Donner. Der Regen hat den Weg zur Fähre, die uns über den Paraná nach Paraguay bringen soll, in schmierigen, roten Matsch verwandelt. Aus der Fährenfahrt wird leider nichts: seit 3 Monaten ist das Schiff kaputt, aber der argentinische Zollbeamte hält tapfer die Stellung - so schön kann Arbeit sein!
Wir überqueren die Grenze nach Paraguay auf der langen Brücke über den Paraná.

 






Im Parque Manantial in Hohenau genießen wir das große Schwimm-becken und die Ruhe. Christiane und Werner kommen mit ihrem WoMo gerade von Asunción und können uns gute Tipps für unsere Weiterreise geben. Das Gebiet entlang des Paraná ist das beste Anbaugebiet für die Mate-Pflanze, Ilex paraguariensis. In Bella Vista besuchen wir die Mate-Fabrik von Selecta, einer Gründung deutscher Einwanderer. Die Maschinen sind aus den 50er Jahren und es ist viel Handarbeit nötig. Während der Ernte von Juni bis August wird rund um die Uhr gearbeitet. Nach der heißen Trocknung von 4 min folgen 20 Stunden bei niedrigeren Temperaturen. Danach werden die Blätter für 2 Jahre gelagert. Dabei entsteht der typische Mategeschmack. Fachmännisch werden wir von David durch die Anlagen geführt. Als 13-Jähriger ist er mit seinen Eltern vom Bodensee hierher ausgewandert und macht nun gerade ein Praktikum im Rahmen seines Agrarstudiums.
  

Ein Versuchsfeld mit Matepflanzen
 



Überall stehen die Heiß-wasser-spender für den Mate







Die Jesuitenmission in San Cosme y Damian wurde sehr schön restauriert und wir dürfen im Garten des Planetariums übernachten. Professionell werden wir mit dem beeindruckenden Wissen der Mönche über die Himmelsmechanik vertraut gemacht. So konnten sie z.B. Sonnen- und Mondfinsternisse sehr exakt voraussagen.













Auf der Weiterfahrt nach Ayola kommen wir an dem Tierrefugium Atinguy vorbei, in dem viele Vögel, Ameisenbären, Wildkatzen und ein Grauwolf gehalten werden. In einem großen Gehege hat es viele Nandus, eine kleine Straußenart. Während der Tierarzt, ein Toyota-Fan, unser Auto bewundert, erfahren wir viel über die Aufzucht bedrohter Tiere.


















Nach holpriger Fahrt erreichen wir Ayola und melden uns für die Tour durch das Kraftwerk Yacyreta, wo der Paraná mit einem 66 km langen Damm zu einem riesigen See aufgestaut wurde. In der 800 m langen Turbinenhalle werden bei
Volllast 3200 MW erzeugt, das ist das dreifache des KKW Leibstadt. Paraguay bezieht nur 15% des Stroms, der Rest geht nach Argentinien.











Rechts und links der Straße nach Asunción erstrecken sich große Rinderfarmen und die Städte haben sich jeweils auf ein bestimmtes Handwerk spezialisiert: nach der Wollestadt mit Schaffellen und
Hängematten, kommt die Schreiner-, dann die Fußballstadt mit Wänden aus Bällen neben der Straße.

Matestunde am Paraná



Der Río Tebicuary
hat den Strand überschwemmt









 










Franziskanerkirche in Yaguarón

















Gegensätze - Ochsenkarren...

...Supermarkt

aus den Behältern holt man sich das Brot und läßt es dann Abwiegen





















Östlich von Asunción liegt der größte See Paraguays. An seinem Nordufer, in und um San Berhardino, haben sich viele deutschsprechende Auswanderer niedergelassen. Oberhalb des Ortes, bei Marion und René, finden wir neben der Pastafabrik einen schönen Campingplatz mit herrlichem Seeblick.

Marion hat Konfitüre von den „schwarzen Kirschen“ gemacht, sehr lecker!


Yvapurú, sehen fast aus wie Kirschen aber wachsen am Stamm

 
Am Samstag nehmen sie uns zum Wochenmarkt mit: wir staunen, fast alle sprechen deutsch und wir können dunkles Brot, Kaffeestückchen und Thüringer Bratwurst kaufen. Dem schönen Weizenbierglas mit dem Münchner Kindl kann ich auch nicht widerstehen.