1.10.-18.10.2014
Inzwischen ist das Thermometer auf 30ºC gestiegen und so suchen wir uns einen schattigen Übernachtungsplatz auf dem Camping im Botanischen Garten. Die WCs warten zwar schon
lange auf eine Putzequipe, aber dafür können wir uns unter der Wasserfall-Dusche herrlich abkühlen. Und wir haben Strom und alles ist gratis. Nachts werden wir mal von der Polizei, mal von den Putzfrauen bewacht.
Lange warten wir auf den Bus ins Zentrum. Nach der halben Strecke ist Endstation! Alle müssen aussteigen, ein Warndreieck wird aufgestellt, wir erhalten unser Geld zurück.
Während wir auf den nächsten Bus warten, fährt der Alte weiter!?
Vom Palacio de Gobierno haben wir einen schönen Blick über den Rio Paraguay. Alles ist abgesperrt und überall stehen schwerbewaffnete Polizisten. Ist etwas passiert? Nein,
das ist ganz normal! Krass sind die Gegensätze um die Regierungsgebäude: kaum 20m vom Eingang stehen Bretterhütten mit Plastikdächern. Der Strom für die Fernseher, oft mit Satellitenschüssel, wird von der nächsten Laterne
abgezapft.
Wie in Ciudad del Este hat es auch hier viele Elektronikläden für die Besucher aus Brasilien und Argentinien, wo Computer und Handys viel teurer sind. Auch wir kaufen einen
neuen PC, weil bei unserem Gerät die Bildschirmanzeige spinnt, vermutlich ist das Kabel wegen des häufigen Aufundzuklappens defekt.
Wir verlassen Asunción und fahren zunächst durch Weideland, später Soyafelder nach Norden. Wir finden ein luftiges Übernachtungsplätzchen und erleben einen herrlichen Sonnenuntergang.
Um 5h morgens hält neben uns ein Auto, keiner steigt aus, was ist los? Schweigend machen wir uns abfahrbereit. Jetzt will uns der Fahrer, er bewache die Gegend, nicht weglassen, gleich komme die Polizei, hier sei es sehr
gefährlich! Die Polizisten kontrollieren alle Papiere und schreiben einen halben Roman. Nach unserer Unterschrift wünschen sie uns gute Reise.
Bei der Weiterfahrt gibt es immer wieder Polizeikontrollen, haben wir eventuell in einem Schmugglergebiet übernachtet?
Im Nationalpark Cerro Corá wird mit Denkmälern des Todes der Führer Paraguays am Ende des desaströsen Krieges gegen Brasilien, Argentinien und Uruguay im Jahr 1870 gedacht.
Während des Krieges kam fast die Hälfte der Bevölkerung Paraguays ums Leben. Das Campieren im Park ist zwar gratis, aber es hat nur Strom, kein Wasser, keine Toiletten und es ist sehr heiß. Der Schweiß fließt in Strömen
beim Grillen unserer Rinderkoteletts, aber es hat sich gelohnt, sie schmeckten herrlich!
Nach nur 40km an der Grenze stehen riesige Einkaufszentren für die zahlungskräftigen Brasilianer. Wir investieren unsere letzten Guaranis in deutsches Müsli und chilenischen
Wein.
Nach einer ruhigen Nacht an der Tankstelle fahren wir weiter nordwärts, aber nach nur 10km fangen wir uns einen Platten ein. Margrit holt per Anhalter einen Reifenflicker, ich
versuche den Ersatzreifen zu demontieren. Nach 1h hat João mit seinem Team den Reifen geflickt und wir können weiter.
Endlose Felder rechts und links, dazwischen Weideland. Landwirtschaft ist die wichtigste Erwerbsquelle in Mato Grosso do Sul.
Westlich von Jardim übernachten wir auf einem hübschen
Campingplatz am kristallklaren Rio da Prata. Bei gut 35ºC im Schatten schwimmen wir mit den Fischen im 25ºC warmen Wasser. Und es wird immer noch heißer!
In Bonito, 50km weiter, wird die 40ºC-Marke überschritten. Beim Camping hat es den klaren Rio Formoso, in dem wir uns täglich mehrere Male abkühlen. Trotz der Wärme und
des Neoprenanzugs frieren wir nach der 1800m-Schnorcheltour im Rio Sucurí, aber das geht schnell vorbei!
Neben unserem Platz steht ein Baum mit leckeren schwarzen Beeren, die nicht nur uns, sondern auch den Aras schmecken!
Mit dem Riesenbecken neben dem Auto lassen sich auch 43ºC aushalten, aber zum Schlafen brauchen wir den Ventilator.
In der Trockenzeit kann man durch den „Fluß“ fahren
Den Campingplatz in Miranda suchen wir vergeblich, also fahren wir weiter auf der Estrada do Parque ins Pantanal. Die Lastwagen mit dem neuen Straßenbelag überholen uns und
überschütten uns mit Staub. Erst kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir die Fazenda Santa Clara. Über 20€ verlangen sie für Dusche und Strom. Die Hitze und der Staub machen uns zu schaffen und so fahren wir am nächsten
Tag zurück zur Teerstraße und Corumbá zu.
5-köpfige Tuiuiú-Familie
Kurz hinter der Brücke über den Rio Paraguay gibt es einen lauten Knall und wir bleiben mit zerfetztem Hinterreifen stehen - ein Opfer der Hitze! Dank Markise können wir wenigstens
im Schatten arbeiten, doch unser Wagenheber ist zu kurz! Keiner nimmt Margrit in die nächste Borracheria mit, erst die Polizisten halten. Sie stoppen einen LKW und der Fahrer hilft uns mit seinem Wagenheber den Reifen zu
wechseln. Im 50km-Tempo kommen wir dann glücklich in Corumbá an und gönnen uns eine Hotelnacht.
Am nächsten Morgen fahren wir die 5km nach Bolivien, dort sollen auch Reifen günstiger sein. Alles sieht etwas chaotisch aus, aber wir finden einen Händler und entschließen
uns alle 5 Reifen zu wechseln. Roberto zeigt uns diverse Marken, er scheint mit seinen 17 Jahren der Kompetenteste zu sein.
Wir nehmen für hinten Michelin mit grobem Profil, für vorne normale Pirelli. Nach 3h und um viele Dollar ärmer fahren wir für eine letzte Nacht zurück in unser Hotel.
Wie lange warten wir wohl an der Grenze? Die Ausreise ist nach 1h erledigt, doch die Einreise nach Bolivien kostet Nerven. Am Container-Zollhäuschen hängt ein Zettel: sind
Mittagessen, in ½h zurück. Wir holen Bolivanos und Dollar am Automat, heute funktioniert das Internet wieder. Und ein zweiter Wagenheber wird gekauft. Am Zoll geht immer noch nichts. Nach einer weiteren Stunde in voller
Mittagshitze kommt Leben in den klimatisierten Container: nein, sie seien nur für das Auto zuständig, die Pässe müssten wir schräg gegenüber abstempeln lassen. Tatsächlich nach heftigem Klopfen öffnet sich die Tür,
wir haben den Herrn wohl beim Essen gestört. Alles wird im Computer - gesponsert von der EU - gespeichert. Zurück am Container, wir stehen draußen ohne Schatten, müssen wir Pass und Autopapiere im Laden gegenüber kopieren
lassen. Am Auto wird die Chassisnummer kontrolliert und uns erklärt, dass wir keinerlei Lebensmittel mitnehmen dürfen. Gut, dass wir Bier, Mortadella und Käse versteckt haben! Zum Schluss will das Formular noch wissen wieviel
Gepäckstücke wir dabei haben, na ganz einfach: 3 Stück...
Nach soviel Hitze und Bürokratie checken wir im 4* El Pantanal Resort ein. Das Ambiente ist stilvoll, aber 4 Sterne dann doch etwas zuviel. Es ist Samstag und biertrinkende
Brasilianer zwischen 25 und 40 belagern den Pool bei ohrenbetäubender Musik. Am Abend geht es ruhiger zu, im Restaurant lassen wir uns ein schönes Stück Rind schmecken und dürfen ein bolivianisches Hochzeitsessen miterleben,
dazu spielt eine Mariachi-Gruppe rassige mexikanische Musik, herrlich!



































