15.10.-13.11.2014
Fast schnurgerade zieht sich die gute, von der EU finanzierte, Straße westwärts durch trockenes Buschland. Unseren ersten Stop in Bolivien machen wir in dem kleinen Dörfchen Aguas Calientes.
Bei Lufttemperaturen über 35ºC ist unser Bedarf an heißem Thermalquellen allerdings minimal.
Zu unserer Überraschung liegt dann umgeben von Dschungel der größte Thermalsee Südamerikas vor uns, 5km lang und 100m breit. Mit fast 40ºC brennt uns das Wasser an den Füßen, trotzdem laufen wir durch den See zu den Quellen auf der anderen Seite - bis zur Brust reicht uns das Wasser.Zum Sonnenuntergang beobachten wir wie die Reiher ihren Schlafbaum aufsuchen und die großen Fledermäuse erwachen.
nach dem Thermalbad...
In San José de Chiquitos beeindruckt uns die restaurierte Jesuitenmission. Vor der Fassade der Kirche findet am Abend eine Aufführung mit traditionellen Tänzen und Poesie statt.

Leckere Pfirsiche am Straßenrand



Die Vor-Inka-Ruinen von El Fuerte liegen auf einem Bergrücken mit herrlichem Ausblick. Beim Rundgang werden wir von einem Gewitter überrascht.


Warum kompliziert, wenn’s auch einfach geht!

Unser nächstes Ziel ist Sucre, die offiziellen Hauptstadt. Die direkte Route führt in eine Sackgasse: auf der Staubstraße kommt uns alle 5min ein LKW entgegen und überschüttet uns mit Staub, minutenlang sehen wir nichts mehr, nach 15km kehren wir um. Unsere nächste Routenvariante ist zwar 3x so lang und auch staubig, aber die Lastwagen fehlen. Auf 3000m kommen wir in die Wolken, es regnet und die Schotterstraße verwandelt sich in eine Matschpiste. Nach 130km sind wir wieder auf einer Asphaltstraße, aber die Freude währt nur 10km. Ab Totora führt die sehr eindrucksvoll angelegte Straße über 60km Kopfsteinpflaster. So holpern wir mit nur 20km/h über viele Kehren hinunter nach Aiquile. Todmüde übernachten wir neben der Tankstelle.


In Sucre stellen wir den Camper auf einen bewachten Parkplatz ab und gehen ins Hostal Pachamama.
Sucre, die auch die weiße Stadt genannt wird, ist überschaubar und man erreicht alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß.
Am 1.November, Todos Santos, pilgert die ganze Stadt zum Friedhof. Die Gräber werden mit frischen Blumen geschmückt und die Urnengräber geputzt. Auf dem zentralen Altar sind Teigfiguren und aus Früchten geschnitzte Tiere aufgebaut.

Das Einnachten genießen wir bei einem herrlichen Filet Mignon im Casa Kolping hoch über der Stadt.



Die Straße nach Potosí ist zwar geteert, aber der Toyota stößt schwarze Wolken aus dem Auspuff bei dem Anstieg auf über 4000m. Schuld ist nicht nur die Höhe, sondern auch die schlechte Dieselqualität. Offiziell müssen wir Ausländer für den Diesel 9 Bolivanos, ca. 1€, bezahlen, die Einheimischen nur 3.70. Vor dem Tanken muss also immer verhandelt werden, meist einigt man sich auf 7 Bolivanos. Die Differenz geht dann in die Tasche des Tankwarts!

Casa de Moneda
In Potosí finden wir nach längerem Suchen ein Alojamiento mit Parkplatz und einer Einfahrt, die hoch genug ist. Das gemietete Zimmer ist eher ein Loch und so schlafen wir lieber im Auto. Ins Zentrum sind es nur wenige Minuten, aber sobald es bergauf geht, schnappen wir nach Luft. Was für ein Getümmel in den Straßen, Menschen, Autos und Busse, die schwarze Rauchwolken ausstoßen! Wir bestaunen die vielen schönen Kolonialbauten und Kirchenfassaden.
Über der Stadt ragt mit 4800m der berühmte Cerro Rico auf. Im frühen 17.Jahrhundert war Potosí die größte und reichste Stadt Amerikas, dank des Silbers aus dem Cerro Rico. Unter unmenschlichen Bedingungen wurde das Silber abgebaut und nach Spanien transportiert. Dank dieser Lieferungen wurde Spanien damals vor dem Bankrott gerettet. Im Casa de Moneda besichtigen wir die Maschinen mit denen die ersten Münzen hergestellt wurden und erfahren, dass das Prägezeichen für Potosí, PTS übereinander geschrieben, der Ursprung des $-Zeichens ist.
Auf dem Markt

Jede(r) hat ein Handy

Unser nächstes Ziel ist der Salar de Uyuni, der größte Salzsee der Erde. Die gute Straße führt durch eine eindrucksvolle Gebirgslandschaft mit Tälern auf 3400m und Pässen über 4200m. Auf halber Strecke suchen wir uns ein Plätzchen in einem Tal mit vielen rot blühenden Kakteen. Langsam kriechen die Schatten die Berge hinauf, stockfinster ist die Nacht, kein Licht zu sehen.


Staubig ist die Einfahrt in Uyuni, aber dank der asphaltierten Straße von Potosí ist ein Aufschwung spürbar. Wir suchen uns einen Parkplatz in einem Hostal, wo wir neben
alten Autos campieren können. Welche Tour sollen wir buchen? Es hat viele Anbieter, aber bald merken wir, dass fast alle die gleiche Route fahren. Schlussendlich gönnen wir uns eine private Tour damit ich meine Beine im Auto unterbringen kann!
Am nächsten Morgen wird hinter unserem Auto ein LandCruiser vorbereitet. Und siehe da, es ist „unser“ Auto und Fray wird unser Fahrer sein. Zuerst geht’s zum Eisenbahnfriedhof, wo die alten Dampfloks vor sich hin rosten. Schade, daraus hätte man mehr machen können. Aber alle kleineren beweglichen Eisenteile sind längst abmontiert und überall liegt Müll. Aber das ist ja in Bolivien nichts Besonderes! Wir holen noch eine Mutter mit ihrer 9-jährigen Tochter ab. Später erfahren wir dann, dass wir sie zu ihrem Arbeitsplatz an unserem ersten Übernachtungsort mitnehmen.
Bei der Einfahrt in den Salzsee, in Colchani, sehen wir wie das Salz gewonnen und verarbeitet wird. Dank eines Regens vor 2 Wochen steht in einer Senke Wasser auf dem Salz. Barfuß springen wir aus dem Auto und bewundern die Spiegelungen.

Mittagessen im Salzhotel
An der Isla Incahuasi stehen 30 Jeeps, aber bei unserer Wanderung über die Insel merken wir wenig von den Menschenmassen. Herrlich sind die blühenden Kakteen und der Blick über die Salzwüste.

Wir suchen nach Salzkristallen
in den Ojos

Wir übernachten in einem Hotel de Sal am Rande des Salzsees: Wände, Betten, Tische und Stühle, alles ist aus Salz. Das Dorf ist umgeben von Quínuafeldern und im kleinen Quínua-Museum erklärt uns der alte Bauer wie das Getreide angebaut und verarbeitet wird.
Unser erster Stop am nächsten Morgen ist eine Höhle mit Korallen und versteinerten Algen.


Weiter geht es südwärts vorbei an vielen Quínuafeldern und auf weiteren Salzseen.




Über übelste Pisten erreichen wir die Laguna Cañapa. Staunend stehen wir vor Hunderten von Flamingos, die sich beim Stochern im Matsch nicht stören lassen.
Nach vielen Fotos bereitet Fray unser Mittagessen im Kofferraum zu. Die Viscachas lieben unsere Rübli, aber auch die Orangenschalen verschwinden.

Durch das Desierto de Silolí sucht sich jeder Fahrer einen eigenen Weg, am Arbol de Piedra treffen sich wieder alle. Den krönenden Abschluss des Tages bildet die rote Laguna Colorada. Leider ist nun unsere Kamerabatterie leer, aber dank Handy können wir doch noch ein Foto machen. In der einfachen Unterkunft auf 4300m ist es kalt und der Wind pfeift um die Hütte, froh sind wir um unsere dicken Schlafsäcke.

Tagwacht gibt’s um 4h15, Abfahrt um 5h. Alle Jeeps haben nur ein Ziel, die Geysire am Sol de Mañana auf 4900m. Langsam steigt die Sonne über die Berge und beleuchtet die Dampffahnen, die die brüllenden Geysire in den Himmel schicken. Wir laufen zwischen blubbernden Tümpeln und speienden Schlammlöchern und müssen aufpassen wo wir hintreten. Kaum können wir uns trennen und sind dann auch das letzte Auto, das weiterfährt.


In den Termas herrscht großes Gedränge und so fahren wir weiter zur Laguna Verde, dem südlichsten Punkt unserer Tour. Auf dem Rückweg sind die Termas auf 4400m verlassen und wir haben den 35ºC heißen Pool ganz für uns alleine.

Dann beginnt der lange Weg zurück nach Uyuni, bei dem uns schon mal die Augen zufallen. Aber Fray hält durch und liefert uns um 17h müde, aber glücklich am Camper ab.

















