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06 Barockstädte

                                                                                                                    06.05. - 4.06.2014

Bei wunderschönem Wetter fahren wir zunächst Richtung Osten, biegen dann aber kurz vor Angros dos Reis nach Norden in die Berge ab. Mit vielen Kehren gewinnt die schmale Straße schnell an Höhe und wir schauen gespannt auf das Kühlerthermometer: alles in Ordnung, der Zeiger ist wie festgenagelt! Nach dem Scheiteltunnel kommen wir in eine ländliche Gegend mit Milchwirtschaft und Rinderweiden. Lustig sind die grünen 100m hohen Grashügel durch die sich die Straße schlängelt. Unser Ziel ist das von Finnen gegründete Städtchen Penedo am Fuß der Berge der bis zu 2500m hohen Serra da Mantiqueira. Das beliebte Ausflugsziel der Bewohner von Rio und São Paulo ist nun im Herbst wie ausgestorben.

Auf einer holprigen Kiesstraße gelangen wir nach Serrinha. Der CCB-Campingplatz ist sehr schön in 1000m Höhe zwischen zwei Wildbächen gelegen. Nach dem kühlen Bad in der Poço Esmeralda, einem der vielen natürlichen Schwimmbecken, heizt uns das Lagerfeuer aus trockenen Kiefernzapfen wieder auf. Auf einer Wanderung entdecken wir die Umgebung des Campingplatzes, der von vielen Ferienhäusern umgeben ist. Herrlich sind neben den Palmen die vielen bis zu 8m hohen Farnbäume und die rot blühenden Weihnachtssternbüsche.

 



 

















Die Barockstädte liegen im Bundesstaat Minas Gerais auf der Nordseite der Bergkette, die wir auf einem 1600m hohen Pass überqueren. Die aussichtsreiche Straße, häufig auf dem Grat von Hügelketten angelegt, bringt uns nach São João del Rei. Von dort startet der Touristenzug, die Maria Fumaça, die dampfenden Maria, ins 8km entfernte Tiradentes.

  
 

Nach 90min erreichen wir das hübsche Städtchen mit seinem kolonialen Ambiente. Von der Hauptkirche haben wir einen schönen Blick über die Ziegeldächer. Für die Rückfahrt wird die Lok auf einer Drehscheibe mit Muskelkraft gewendet - die Affenfamilie schaut aus luftiger Höhe zu.



















Zurück in São João del Rei besuchen wir die Kirche São Francisco de Assis mit ihrer eindrucksvollen Fassade.















Nach soviel Aktivitäten beschließen wir den Tag bei einem guten Stück Grillfleisch. Endlich kommen wir zu unserer Picanha, der Königin des brasilianischen Churrascos.


Auf dem bei der Zugfahrt erspähten Campingplatz mit WiFi genießen wir ein paar ruhige Tage bevor es weiter nach Congonhas geht. Für uns hat hier der berühmte Steinmetz Aleijadinho sein Meisterwerk abgeliefert. Der von einer Lepra-Erkrankung Verstümmelte schuf die Fassade der Wallfahrtskirche und die 12 faszinierenden Prophetenstatuen an der Freitreppe davor.

 



 Amos



  Jonas


Weitere von ihm geschaffene Kirchenfassaden dürfen wir einige Tage später im Zentrum des Tropenbarocks, in Ouro Preto, bewundern. Dort richten wir uns auf einem Campingplatz etwas außerhalb ein. Enge und steile, kopfsteingepflasterte Straßen führen ins Zentrum zu den schönen Kirchen.
 Ouro Preto



 

















Steil und kurvig ist auch die Straße bei unserer Weiterfahrt nun wieder Richtung Süden. Durch den Nationalpark Serra dos Órgãos, das Orgelgebirge, mit runden glatten Felsen ähnlich dem Zuckerhut, fahren wir über Teresópolis an die Küste. Den markanten Dedo de Deus, den Finger Gottes, sehen wir aus der Ferne, beim Näherkommen hüllt er sich aber in Nebel.



Nach den recht kühlen Nächten im Landesinneren freuen wir uns wieder auf die Strände. Wunderschöne finden wir in Arraial do Cabo, etwa 150km östlich von Rio de Janeiro. Das Wasser ist kristallklar, aber ziemlich frisch.

Zuckerhut mit Hut

Auf dem Weg westwärts fahren wir an riesigen Lagunen mit Salzgewinnungsanlagen vorbei. Über Niteroi und die lange Brücke über die Guanabarabucht kommen wir nach Rio. Wir übernachten auf dem bewachten Parkplatz bei der Talstation der Zuckerhut-Seilbahn und erwachen mit Blick auf den Gipfel. Zu Fuß kraxeln wir über Wurzeln hinauf zur Mittelstation. Weiter geht’s dann mit der Seilbahn zum Gipfel. Und wieder sind wir von der phantastischen Rundumsicht begeistert und wirklich, Rios Lage ist die allerschönste! Bei unserem letzten Besuch an der Copacabana werden wir leichsinnig und prompt „verschwindet“ unsere Kamera während der Busfahrt.

In Paraty legen wir einen Waschtag ein, bevor wir Richtung São Paulo zum Abstellplatz fürs Auto fahren. Wir werden sehr freundlich empfangen und dürfen sogar bei unseren Gastgebern wohnen. Bei interessanten Gesprächen erfahren wir viel über die Stadt und das Land und erhalten Antworten auf unsere gesammelten Fragen über Brasilien. Unter Leitung unseres Gastgebers durchstreifen wir São Paulo. Der Rundumblick von einem Hochhaus im Zentrum lässt uns die Größe der 20-Millionen-Stadt erahnen. 


Rund um den Mercado werden Fanartikel zum Fußballspektakel, das in 8 Tagen beginnt, in allen Variationen angeboten.











Am 4.6. pünktlich um 18:30 startet unser Nachtflug nach Zürich.
Dort werden wir von Ruedi und Ursula herzlich willkommen geheißen. Roman holt uns mit dem Auto ab und nach nicht mal 24h sitzen wir daheim auf unserer Terrasse, aber der Kopf braucht noch etwas Zeit!



Doch nach 1 Woche fragen wir uns: Sind wir wirklich in Brasilien gewesen?