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03 Südbrasilien

                                                                                                                  15.03. - 05.04.2014
In Aceguá überqueren wir die Grenze, die Straße wird besser, die Landschaft ändert sich aber nicht: Hügel mit Rinderherden unterbrochen von Wäldern - Gaucholand. Unser nächstes Ziel ist das von italienischen Einwanderern gegründete Städtchen Garibaldi, im größten Weinanbaugebiet Brasiliens. Hier wollen wir mit dem Dampfzug durch das Vale dos Vinhos fahren, aber leider findet die nächste Tour erst in 4 Tagen statt.
So ziehen wir weiter östlich in das von deutschen Einwanderern vor ca. 100 Jahren besiedelte Gebiet. Im alpinen Stil gebaute Häuser, gepflegte Grünanlagen und deutsche Strassennamen erinnern an die alte Heimat.




Oktoberfest oder Disneyland?
In „Opa’s Kaffehaus“ in Nova Petrópolis spricht allerdings nur noch die Chefin deutsch. Am Mittag bestellen wir „Cafe Colonial“, ein Büffet aus 45 Köstlichkeiten: herzhafte und süße Schnittchen, dazu gibt’s Kaffee und Apfeltee - lecker, lecker, damit fällt das Abendessen wohl aus!



Und zum Schluss noch ein Stück Torte...
Bei über 34 Grad fahren wir weiter in das 800m hoch gelegene Gramado, dem St.Moritz Brasiliens: Nobelvillen, teure Läden und überdachte Fußgängerzone. Die Straßen sind gesäumt von blauen Hortensien, die jetzt allerdings nur noch vereinzelt blühen. Der Campingplatz liegt in Gehentfernung zum Zentrum und so genießen wir das Treiben am nächsten Tag bei einer heißen Schokolade.


Gramado

Denn inzwischen sind es noch gerade 15 Grad, es regnet Bindfäden und wir erwachten im Nebel.



Vor dem Dampfmaschinen-Museum ist das Pariser Eisenbahnunglück von 1895 nachgebaut




Cascada do Caracol


Während einer trockenen Phase besuchen wir die Cascada do Caracol, einen 131m hohen Wasserfall. Über 760 Stufen klettern wir nach unten, unsere Waden erinnern uns noch tagelang an den Aufstieg!.


Herrlicher Campingplatz unter Araukarien


Banduria


Endlich hört der Regen auf und in Cambará do Sul biegen wir in den Nationalpark Aparados dos Serra ab. Nach der holprigen Zufahrt werden wir durch den grandiosen Blick in den Itaimbenzinho-Canyon entschädigt.


Itaimbenzinho-Canyon




















Wir wandern entlang der Abbruchkante, oben der grüne Wald mit den stolzen Araukarien, unten in bis zu 720m Tiefe der Rio Boi. Wie ist wohl der Zustand des Drecksträsschens über 1000m hinunter an die Küste nach dem vielen Regen? Im Schritttempo klettern wir dem Meer entgegen!

Zur Belohnung gönnen wir uns den schönen Campingplatz am schnurgeraden Strand südlich von Torres. 
































Blick südwärts von den Felsen in Torres













Farol de Santa Marta















Nun folgen wir nordwärts der Küste. In Laguna beobachten wir die Fischer, die geschickt die runden Netze auswerfen. Hilfe erhalten sie von den Delphinen, die die Fische jagen und ihnen in die Netze treiben.



Wir wechseln vom Bundesstaat Rio Grand do Sul nach Santa Catarina. Auf der gleichnamigen Insel liegt Florianópolis, die Hauptstadt. Auf dem lebhaften Markt im alten Stadtzentrum lassen wir uns einen Korb mit frittierten Meeresfrüchten schmecken.

















Pântanol do Sul

Dann zieht es uns weiter in den Süden der Insel an einen der berühmten Strände. Am Praia Pântanol do Sul in Balneario das Açores regnet es wolkenbruchartig und das Städtchen scheint wie ausgestorben. Wir finden einen schönen Platz vor unbewohnten Ferienwohnungen am Strand. Und zu unserer Überraschung: der Strand ist nachts beleuchtet. So lassen wir mit Blick auf die Brandung den Tag bei einem Glas Wein ausklingen. Nach Strandspaziergängen und Baden steht am nächsten Tag eine Wanderung zum nach Reiseführer schönsten Strand der Insel auf dem Programm. Steil geht’s über große Steine hinauf und hinunter zu der einsamen Lagoinha de Leste. Der Schweiß fließt bei über 30° und der hohen Luftfeuchtigkeit in Strömen. Nach dem erfrischenden Bad in der Süßwasserlagune laufen wir hoch über dem Meer in ständigem auf und ab weiter nach Armação, von wo der Bus 2 müde Wanderer zurück zum Auto bringt.



Zum Schluss unseres Inselaufenthalts gönnen wir uns noch das Meeresfrüchte-Büffet in der Bar do Arante, einer Institution. Lecker, lecker und den hauseigenen Cacaça gibt’s gratis dazu!



Bei herrlichem Wetter verlassen wir die Insel, unser nächstes Ziel liegt ca. 80km im Landesinneren, das Vale Europeu, das europäische Tal, mit vielen von deutschen Auswanderern gegründeten Städten. Dazu mehr im nächsten Bericht.



Lagoa de Conceiçao

























02 Uruguay

                                                                                                                     24.02. - 14.03.2014
Direkt am Hafen beginnt die Rambla, die vierspurige Uferstraße. Sie zieht sich fast 20km vor der Hochhauskulisse Montevideos entlang. Nach dem Bürokratiemarathon lassen wir uns den langersehnten Salatteller mit Uruguay-Bier beim Leuchtturm schmecken.







Montevideo, Plaza Independencia


Der Bus bringt uns am nächsten Morgen in die Altstadt und wir bummeln durch's Zentrum: schöne alte Häuser, ähnlich wie in Buenos Aires, aber überschaubarer.


Bei der Fahrt nach Osten verschwinden langsam die Hochhäuser. Bungalows und dann Ferienhäuschen bestimmen das Küstenbild. Viele sind unbewohnt und so finden wir einen schönen Übernachtungsplatz am Strand. Hier ist das Wasser schon weniger braun als in Montevideo, aber unser erstes Bad verschieben wir auf später...

Punta del Este

In den nächsten Tagen folgen wir der Küste weiter ostwärts bis zum berühmten Punta del Este, dem Treffpunkt der Reichen und Schönen. Am Kap, das die Trennung zwischen Rio de la Plata und dem Atlantik markiert, bläst ein stürmischer Wind.
Nach Norden entlang der Küste hat es kleine ehemalige Fischerdörfer mit jüngerem Publikum. Bei dem heftigen Wind können wir viele Kite-Surfer im Meer und in den Lagunen bei ihren akrobatischen Spielen beobachten.






Ob wir wohl auf die Fähre passen? Ja, es geht, aber nur noch 2 PKWs haben Platz







Wir sind DIE Attraktion!

Auf einem Feldweg neben Rinderweiden übernachten wir und erleben eine Glühwürmchen-Disco! Hunderte schwirren während der Nacht über der Wiese und blinken - toll! Das Ganze wird akustisch von einem Glögglifrosch (Geburtshelferkröte)-Orchester untermalt, wir können nur noch staunen.



Tolle Wellen in Punta del Diablo










Santa Teresa Nationalpark




Im Santa Teresa Nationalpark finden wir im Wald hinter den Dünen einen schönen Campingplatz. Nun können wir das Auto aufräumen und die Sachen suchen, die wir noch nicht gefunden aber eigentlich mitgenommen hatten. Auch genießen wir das Baden am herrlichen Sandstrand und lange Spaziergänge. Zufällig gibt's ein Wiedersehen mit Britta und Gianni vom Schiff, sie treffen gleichentags hier ein.


Mate, gewöhnungsbedürftig!






Nach 5 Tagen Sonne weckt uns Donnergrollen und es beginnt in Strömen zu regnen. So zieht es uns weiter nach Chuy, der Grenzstadt zu Brasilien. Die Südseite der Hauptstraße liegt in Uruguay, die Nordseite in Brasilien. Ohne Kontrolle wechselt man die Straßenseite und kauft ein wo man will. Erst an den Ausfallstraßen kontrolliert dann der Zoll, aber wir werden durchgewunken. Beim Skypen vergessen wir die Zeit und es ist schon fast dunkel als wir den geplanten Übernachtungsplatz am Fuerte San Miguel ansteuern. Leider ist das Areal Militärzone und wir müssen vor dem Tor campieren. Bei der Diskussion mit den Soldaten standen die Fenster offen und nun haben wir eine Moskitoinvasion. 2h lang erschlagen wir alles was sich bewegt, dann dürfen wir etwas essen und dann gute Nacht, aber tatsächlich ohne Plagegeister!
















Das ist Uruguay pur

01 Grande Nigeria

                                                                                                                    18.01. - 23.02.2014 
Der Abschiedstag ist gekommen! Bei Hochnebel und ein paar Grad über Null fällt uns der Abschied nicht so schwer...
Von Basel bis Frankfurt scheint dann die Sonne, danach wird's wieder neblig und immer kühler. Auf unserem Weg nordwärts besuchen wir Verwandte und Freunde. Am 24.01. soll unser Schiff, die "Grande Nigeria", in Hamburg ankommen. Wir sind schon einige Tage vorher in der Stadt und lassen uns im Hafen bei eisigen Temperaturen auf die Schiffsreise einstimmen. Fast minus 13 Grad zeigt das Thermometer als wir am 25. mit dem Auto am Verladekai ankommen.



Jetzt geht's los!

Nach 1 Stunde Warten im eisigen Ostwind können wir an Bord fahren und unsere kalte Kabine beziehen. Das Schiff kommt direkt aus Westafrika und ist nicht auf die Minustemperaturen vorbereitet. In unserer Kabine ist außerdem die Heizung ganz ausgefallen! In Winterjacken warten wir bis uns der 1.Offizier ein elektrisches Heizöfchen bringt - jetzt können wir auspacken.


Fest vertäut   

Beim Mittagessen lernen wir unsere Mitreisenden kennen, Britta & Gianni, ein deutsch-italienisches Pärchen aus Zürich mit einem Landrover. Wir verstehen uns auf Anhieb und freuen uns auf die gemeinsame Reise. Aus der erhofften Abfahrt bei Tageslicht wird leider nichts, erst um 21 Uhr heißt es "Leinen los".Fest vertäut

                     Landungsbrücken

Wir passieren die halbfertige Elbphilharmonie und die Landungsbrücken - ein eindrucksvolles Lichtermeer. Die Nordsee empfängt uns mit einer steifen Prise und Nieselregen. Gut 24h später kommen wir in Antwerpen an, die Temperaturen liegen nun über Null und wir planen einen Ausflug ins Zentrum. Nach dem stündigen Fußmarsch ins nächste Dorf nach Verrebruek, dem Warten auf den Bus Nr. 83 und dem Umstieg in die Straßenbahn Nr. 5 stehen wir dann gegen Mittag auf dem schönen Rathausplatz.


Rathausplatz in Antwerpen

Es ist viel Betrieb, der Nieselregen scheint die Belgier nicht zu stören, ja einige trinken ihren Kaffee sogar im Freien. Wir aber lassen uns das starke belgisch Bier unter einer Heizsonne schmecken. Wieder an Bord begrüßen wir den neuen Passagier, Gerard, einen weitgereisten Holländer, der für mehrere Jahre mit seinem LKW-Womo Amerika entdecken will.
Am nächsten Morgen pilgern wir nochmals ins Dorf, kaufen dunkles Brot und Joghurt, weil's das auf dem Schiff nicht gibt. Sonst ist das Essen aber ausgezeichnet! Mit Luigi, unserem Koch, haben wir wirklich Glück und in 4 Wochen vermutlich auch einige Pfunde zuviel! Die Essenszeiten am Mittag und Abend sind strikt, darauf legt Massimo, unser Steward, großen Wert: bei Verspätung klopft er uns auch schon mal aus der Kabine.






Die „Grande Nigeria“ ist 214m lang und 32m breit, wir wohnen auf dem 12.Deck, ca. 30m über dem Wasser

Die Offiziere bestehen aus Italienern und einem Philippino, die Mannschaft kommt von den Philippinen. Alle sind freundlich und viel offener als wir es auf anderen Schiffen erlebt haben. Vielleicht liegt das am auskunftsfreudigen Kapitän und außerdem: wir sind seine ersten Passagiere! Außer beim Manövrieren im Hafen dürfen wir jederzeit auf die Brücke.

Unsere Kabine
Der Kapitän beim Pizza-Backen
Samstag ist Pizzatag, und dann steht unser Commandante als erklärter Pizzafan selbst in der Küche und schiebt die Pizza in den Ofen... Und manchmal spendiert er dazu noch ein Bier!
Bei einbrechender Dunkelheit verlässt die "Grande Nigeria" Antwerpen mit vielen gebrauchten Autos auf dem Deck mit Ziel Daker, in einer knappen Woche. In der Biscaya werden wir heftig durchgeschüttelt, vor Portugal wird das Meer ruhiger und es zeigen sich die ersten Sonnenstrahlen.
Autos für Dakar

Wir fahren östlich an Lanzarote und Fuerteventura vorbei, hier haben wir wieder Handyempfang. Noch 2 Tage bis Dakar, jetzt scheint überwiegend die Sonne, die Temperaturen klettern auf 20 Grad und wir werden von einem großen Vogelschwarm begleitet.
In Dakar sind die Temperaturen sehr angenehm, tagsüber über 30 Grad mit trockenem Wind aus der Wüste, nachts kühle 16 Grad. Für uns herrscht am Busterminal das reinste Chaos, aber irgendwie findet hier jeder seinen Bus.
Viele leere Container werden noch aufgeladen, dann gegen 17h brechen wir zur Atlantiküberquerung auf.


Blick nach vorne, Container und Lastwagen

     Busbahnhof in Dakar
Die Bordroutine mit Essen, Lesen und Puzzlen wird bei der Äquatorüberquerung unterbrochen.
Um 10 müssen alle Täuflinge auf der Brücke antreten. Außer uns Passagieren sind das noch 2 Kadetten von der Crew. Die beiden kommen dann richtig dran: kahlgeschoren schlägt der Kapitän ihnen rohe Eier auf die Köpfe und überschüttet sie mit Mehl. Wir kommen glimpflicher davon: Neptun überreicht uns den Taufschein und dann werden wir mit einem Öl-Nudelgemisch über den Kopf und viel Wasser getauft.








Äquatortaufe, wir wurden nicht rasiert...

Am Schluß gibt's eine Wasserschlacht und keiner bleibt trocken. Mit Sekt und Kaviarbrötchen für alle wird die Taufe beendet.
Bei Sonnenaufgang am 13.2. erreichen wir Santos. Alle freuen sich auf den Landgang. Wir fahren mit dem Touristentram durch die Altstadt und mit dem Bus zum Strand. Bei 37 Grad lockt das Meer, aber woher kommen all die toten Fische? So bleibt's beim Fußbad. Um 16 Uhr müssen wir wieder an Bord sein und 2h später verlassen wir Santos.

Paranagua
Paranagua, den Hafen von Curitiba, erreichen wir am nächsten Tag. Beim Landgang schlägt das Wetter um: innerhalb weniger Sekunden schüttet es wie aus Kübeln und es wird stürmisch. Am Abend wird das Schiff abgefertigt und die Ladeklappe geschlossen - wir sind bereit zum Auslaufen. Aber nichts passiert! 2 Tage müssen wir auf niedrigere Wellen im Kanal warten; die Gefahr, dass das Schiff den Boden berühren könnte, ist zu groß.


Vollmond im Atlantik
Der Südatlantik empfängt uns dann mit großen Wellen. Beim Blick aus dem Fenster sehen wir abwechselnd nur Wasser oder Himmel!
Im braunen Wasser der riesigen Bucht des Rio de la Plata wird's dann ruhiger.













Sonnenuntergang auf dem Rio de la Plata

Vorbei am Lichtermeer von Buenos Aires fahren wir einen Arm des Rio Parana aufwärts bis Zarate. 3 Nächte sollen wir hier ein- und ausladen und so nutzen wir die Zeit um in Buenos Aires unsere Autoversicherung abzuschließen.



Lancha (Wassertaxi) auf dem Rio Parana



Endlich - Montevideo



24h später liegen wir dann vor Montevideo und warten, dass ein Kreuzfahrtschiff den Kai freimacht. In 30 Tagen ist uns das Schiff zur 2.Heimat geworden und wir werden fast wehmütig beim Adieu-Sagen. Bevor wir aber starten können, bekommen wir noch den uruguayschen Amtsschimmel zu spüren: geschlagene 6h warten wir bis sich der Zollbeamte bequemt den Einfuhrzettel für's Auto auszufüllen!